Triathlon-Olympiasiegerin Nicola Spirig macht bis Tokio 2021 weiter

10.06.2020

Nicola Spirig

Nicola Spirig hat sich entschieden: Die 38-jährige zweifache Olympiamedaillengewinnerin verlängert ihre Karriere und will an den Olympischen Spielen 2021 in Tokio starten. Es ist ein gut überlegter Entschluss.

Nicola Spirig hat bewegende Wochen hinter sich. Zuerst musste die sechsfache Europameisterin trotz Corona-Pandemie so weiter trainieren, als ob alles normal wäre. Dann folgte der befürchtete Entscheid: Die Olympischen Spiele werden um ein Jahr verschoben. «Ich war damals erleichtert, als ich Gewissheit über die Verschiebung bekam. Obwohl es natürlich nicht ganz einfach war, quasi eine vierjährige Vorbereitung abzubrechen.» Doch Spirig nutzte die Gelegenheit, sich von einer Verletzung am Hüftbeuger zu erholen und viel Zeit mit der Familie zu verbringen. «Für uns als Familie hatten diese terminfreien Wochen der Corona-Zeit schlussendlich auch viel Positives. Uns wurde noch bewusster, wie privilegiert und glücklich wir mit unserem Leben sind und wir haben die Zeit zusammen zu Hause sehr geschätzt.»

Die Olympiasiegerin von 2012 nahm sich nach der Verschiebung der Olympischen Spiele bewusst Zeit für die Entscheidung, ob Tokio auch 2021 ein Ziel sein würde. «Für mich war es wichtig herauszufinden, ob ich auch weiterhin genauso viel Energie und Motivation mitbringen würde wie bisher, um die vielen harten und intensiven Trainings zu bestreiten, die es für eine Leistung auf weltbestem Niveau braucht. Diesen Entschluss wollte ich nicht leichtfertig treffen. Ich wollte sicher sein, dass ich auch im Winter, wenn normalerweise die psychisch schwierigeren Wochen anstehen, voll hinter meinem Entscheid stehen kann.»

Spirig konnte diese Fragen nach den letzten Wochen positiv beantworten. «Sport ist meine Leidenschaft, macht mich immer noch sehr glücklich und ich sehe es als Privileg, ihn als Beruf ausüben zu dürfen.» Das ist nicht selbstverständlich, zumal die dreifache Mutter schon seit 1998 Mitglied des Nationalkaders ist und seit damals - zunächst als Juniorin, dann in der Elite - in der Weltspitze mitmischt.

Die komplexe Familienorganisation
Nebst der eigenen Motivation spielten für Nicola Spirig jedoch noch weitere Faktoren eine wichtige Rolle beim Entschluss, ihre Karriere zu verlängern. «Das war kein Entscheid, den ich alleine treffen konnte. Wir sind eine Familie und eine solche Entscheidung betrifft alle Familienmitglieder. Sie musste für unsere gesamte Familie Sinn ergeben. Ohne das Gefühl, dass es auch für unsere Kinder stimmt und ich die 100%-ige Unterstützung von meinem Mann Reto habe, wäre jede Vorbereitung aussichtslos.»

Die entsprechenden Gespräche mit ihrem Mann fielen durchwegs positiv aus: «Wir sind ein eingespieltes Team und haben in den vergangenen Jahren einen Weg gefunden, der für unsere Familie passt», so Ehemann Reto Hug. «Jetzt freuen wir uns darüber, dass Nicola ihre Karriere fortsetzt. Ihre Teilnahme an ihren fünften Olympischen Spielen wird auch für uns alle ein spezielles Erlebnis werden.»

Organisatorisch waren für die Familie dennoch einige wichtige Fragen zu klären. Beispielsweise ob die Teilzeit-Nanny noch ein Jahr länger bleiben würde. Oder ob der Vertrag der zu Trainingszwecken im Engadin gemieteten Wohnung trotz Kündigung noch verlängert werden könnte. Auch das bereits gebuchte Vorbereitungslager in Südkorea musste abgesagt und wieder neu geplant werden.

Trainer, Umfeld und Sponsoren sind dabei
Als dritter Faktor für eine erfolgreiche fünfte Olympia-Teilnahme war Spirig auch wichtig, dass sie mit ihrem bisherigen Umfeld und Team weiterfahren kann. «Für mich war klar, dass ich meine Karriere nur mit der Unterstützung meines Coaches Brett Sutton fortsetzen würde, mit dem ich nun schon 15 Jahre zusammenarbeite. Zudem war mir wichtig, dass meine engsten Begleitpersonen aus dem Umfeld sowie meine Sponsoren mit im Boot sind und meinen Weg bis 2021 ebenfalls begleiten. Ohne mein bewährtes Team hätte ich nicht weitergemacht.»

Die Gespräche, welche die Olympiasiegerin von 2012 mit Sutton, dem Umfeld und den Partnern führte, waren extrem positiv und liessen Spirig äusserst dankbar zurück: «Es ist für mich emotional sehr berührend von so vielen Seiten absolut grossartig unterstützt zu werden. Speziell in diesen Zeiten, in denen das Virus uns alle vor grosse Herausforderungen stellt.»

Die Olympia-Verschiebung kommt auch gelegen
Die Verschiebung hat für die Olympiasiegerin zudem auch positive Aspekte. Alexis, das dritte Kind von Nicola Spirig und Ehemann Reto Hug kam im April 2019 zur Welt. Bis 2021 hat die Olympiazweite von 2016 nun noch mehr Zeit für die spezifische Olympiavorbereitung. «Vor der Olympia-Absage war das Programm sehr gedrängt. Ich brauchte im 2019 und Anfangs 2020 unbedingt Qualifikationspunkte und es war nicht ganz einfach, Familie und Sport unter einen Hut zu bringen. Nun habe ich praktisch alle Qualifikationskriterien schon erfüllt und kann die Vorbereitung und Rennen ganz auf meine spezifischen Bedürfnisse ausrichten.» Entsprechend freuen sich Spirig und ihr Team nun auf den Weg, der vor ihr liegt. 

Wie es nach Tokio 2021 weiter gehen wird, ist offen. «Der Fokus liegt auf den Olympia-Rennen im Einzel und allenfalls mit dem Team. Danach setzen Reto und ich uns zusammen und schauen weiter.» Vorerst fokussiert sich die studierte Juristin aber nun auf die nächsten Rennen im 2020 und dann auf ihre fünften Olympischen Spiele: «Ich will in einer absoluten Topform an den Start gehen und diese fünften Spiele mit einer Spitzenleistung abschliessen!»

 

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